Im Rahmen unserer BiSS-Kooperation“ mit der Kita „Vier Jahreszeiten“ (BiSS, das ist die Abkürzung für „Bildung durch Sprache und Schrift”) beschäftigte sich die Klasse 2g -die nun ja bereits die 3g ist- gemeinsam mit einer Gruppe von Vorschulkindern einige Wochen lang mit dem Thema „Farben“.

Von klein auf wachsen alle Kinder in eine bunte, farbenreiche Welt hinein. Kinder nehmen Farben aufmerksam wahr, die meisten haben früh eine Lieblingsfarbe und spätestens mit vier Jahren können viele Kinder in ihrer Muttersprache Farben benennen. Da liegt es nahe, sich einmal intensiver mit der Welt der Farben auseinanderzusetzen.

Auf einer künstlerischen Ebene: Welche Kunstwerke oder Maler sind besonders mit welchen Farben verbunden?

Auf einer sprachlichen Ebenen: Wie kann die unendliche Zahl von Farbnuancen bezeichnet werden?

Auf einer entdeckenden Ebene: Wie kommen Farben zustande? Wie werden Farbtöne gemischt?

Auf einer literarischen Ebene: Es gibt unzählige schöne Kinderbücher, die sich mit dem Thema „Farben“ auseinandersetzen, wie das nachfolgende Foto unseres Büchertischleins belegt!

Büchertisch

Am Beginn des Projekts stand ein gemeinsamer Theaterbesuch. Im FEZ in der Wuhlheide führte die Astrid-Lindgren-Bühne den Bilderbuchklassiker „Die Königin der Farben“ als Theaterstück auf. Staunend machten die Kinder in der liebevoll arrangierten Inszenierung Bekanntschaft mit Malwida, der Königin der Farben, die jeder Farbe eine bestimmte Eigenschaft zuschreibt. Das Rot ist wild und stürmisch und wird gezähmt, indem es in ein Pferd verwandelt wird. Das Blau ist sanft und mild, das Gelb fröhlich, aber auch „pieksig“ und streitlustig. Am Tag nach dem Theaterbesuch kamen die Vorschulkinder, die vor Ostern bereits zu einem Kennlern- und Bastelbesuch in der Schule gewesen waren, wieder zu uns.

Da wurde es ganz schön voll!

Die Geschichte der „Königin der Farben“ wurde aufgegriffen, die Kinder erzählten von den Eindrücken, die die Geschichte hinterlassen hatte und wir sprachen auch über die Wirkung, die verschiedene Farben haben können. Ein Farben-Fingerspiel wurde gelernt und ein kleines Erinnerungsbüchlein zum Theaterstück angefertigt.

Marie schaut noch einmal in das Buch von der  “Königin der Farben”

Eine Woche später war wieder Farben-Tag und die Kitakinder trugen uns das Farben-Fingerspiel vor, das wir beim letzten Mal kennen gelernt hatten.

Das ist der Daumen, der sagt: „Ich bin weiß wie Schnee.“

Das ist der Zeigefinger, der sagt: „Ich bin grün wie Klee.“

Das ist der Mittelfinger, der sagt: „Ich kann blau wie der Himmel sein.

Das ist der Ringfinger, der sagt: „Ich bin gelb wie der Sonnenschein.“

Das ist der kleine Finger, der sagt: „Ich bin rot wie Mamas Mund.“

Alle Finger sagen: „Wir sind bunt!“

Im Gespräch bemerkten die Kinder schnell, dass die dort genannten Farben „wichtige Farben“ sind, dass Weiß z. B. alle Farben heller macht, dass aber Schwarz fehlt. Jedes Kind wurde einer Farbe aus dem Fingerspiel zugeordnet, sodass fünf Gruppen entstanden und nun bekam jede Gruppe den Auftrag, möglichst viele Gegenstände in „ihrer“ Farbe zu finden.

Die Kinder sortieren Dinge aus dem Klassenraum nach Farben – anlog zum Fingerspiel

Bei diesem Besuch gestalteten die kleinen Farbforscher und –forscherinnen auch das Deckblatt für eine Sammelmappe, in der im Folgenden alles gesammelt wurde, was bei unseren Treffen und zwischendurch zum Thema Farbe hergestellt wurde.

Sylvia, die als Heilpädagogin in der Kita arbeitet, und mir als Klassenlehrerin, war es wichtig, dass die Kinder lernen, dass es nur drei Grundfarben gibt, aus denen die Sekundärfarben gemischt werden. Deshalb wurde beim nächsten Treffen eine Woche später das Bilderbuch „Weiß weiß Bescheid“ vorgelesen. In dieser Geschichte geraten die Farben in Streit und ergeben dabei am Ende einen wunderschönen Regenbogen. Nach dem Vorlesen wurde das Phänomen „Regenbogen“ besprochen und die kleinen Forscher und Forscherinnen bekamen den Auftrag, aus den drei Primärfarben einen Regenbogen zu tuschen.

            

Der sprachliche Aspekt wurde vertieft durch ein Regenbogen-Gedicht von Josef Guggenmos, das jede Gruppe für sich allein einstudierte: Die Schulkinder in der Schule und die Kitakinder in der Kita.

Der Regenbogen

Ein Regenbogen, komm und schau;

rot und orange, gelb, grün und blau.

So herrliche Farben kann keiner bezahlen,

sie über den halben Himmel zu malen.

Ihn malte die Sonne mit goldener Hand

auf eine wandernde Regenwand.

Ab diesem Moment sollten die Kinder jede der Grundfarben genauer unter die Lupe nehmen: Es gab einen Rot-Tag, einen Blau-Tag, einen Gelb-Tag und einen Grün-Tag und als krönenden Abschluss des Projekts eine Bunt-Tag.

Den Rot-Tag zelebrierten wir wieder bei uns in der Schule. Die Kinder kamen teilweise rot gekleidet, einige hatten für unser gemeinsames Frühstück rote Speisen mitgebracht und da es gleichzeitig Omars Geburtstag war, hatte seine Mutter sogar eine rote Torte gebacken, die wir gemeinsam verputzten!

In unserer Vorbereitung hatten Sylvie und ich festgestellt, dass die Farbe „Rot“ sehr oft mit Wildheit belegt ist und so präsentierten wir den Kindern „Die roten Pferde“ von Franz Marc.

Sofort erinnerten sich fast alle wieder an das Theaterstück von der „Königin der Farben“, die das Rot gebändigt hatte, indem sie es in ein rotes Pferd verwandelt hatte, mit dem sie dann durch ihr Königreich galoppierte. Um zu erreichen, dass die Kinder untereinander mehr ins Gespräch kommen, gab es diesmal einen Gruppenauftrag, wobei die Gruppen natürlich aus Kita- und Schulkindern bestanden. Gemeinsam sollte ein rotes Pferd gestaltet werden.

Auf die „roten Pferde“ waren wir dann stolz, sie gefielen uns eigentlich besser, als die von Franz Marc! Hier eine kleine Auswahl:

   

Im Vorfeld des Blau-Tags lernten die Schülerinnen und Schüler der 2g eine Menge über die Geschichte dieser faszinierenden Farbe, die oft mit Fernweh, aber auch mit Wasser und Kälte verbunden wird. Besonders lustig fanden sie, dass im Mittelalter zum Stoff-Färben eine Pflanze benutzt wurde, deren Farbstoff erst blau wurde, wenn darauf gepinkelt wurde. Iiihh!

Diesmal hatte die Kita uns zu sich eingeladen. Und so nahmen die Kinder das Motto des Tages wörtlich: Sie machten blau! Was wir uns für sie überlegt hatten, interessierte sie erstmal nicht. Sie wollten spielen und das interessante Kita-Gelände erkunden.

Irgendwie hat Sylvie es dann aber doch noch geschafft, die wilde Bande zusammenzutrommeln und das Märchen von der blauen Blume vorzulesen, der Flachs-Blume, aus deren Stängel auch heute noch Leinen gesponnen wird.

Unser Experiment zur Farbe „Blau“ missglückte allerdings: Weiße Blumen sollen blau werden, wenn sie Tintenwasser trinken – aber Frau Ostermann hatte die falschen Blumen dafür gekauft: Die weißen Chrysanthemen hielten zwar lange, aber ihre Stängel waren zu lang, sodass die Tinte niemals bei den Blüten ankam.

Aus organistorischen Gründen mussten wir den Grün-Tag und den Gelbtag getrennt begehen.

Die Schulkinder sprachen lange über die vielen Grüntöne, die die zahlreichen Dinge hatten, die sie für den Grün-Tisch mitgebracht hatten. Was gibt es da aber auch für tolle Farbbezeichnungen: moosgrün, flaschengrün, giftgrün, lindgrün, maigrün, erbsengrün…

Doch es bot sich an, die Farbe „Grün“ dort zu erleben, wo sie am Schönsten ist: In der freien Natur! Deshalb wanderten wir hinaus in den Osdorfer Wald, wo wir viele der benannten Farbtöne entdecken konnten und dann auch wussten, wo die Farbbezeichnung herkommt, z. B. moosgrün oder tannengrün.

          

Am Gelb-Tag  gab es einen genauso schönen Präsentationstisch wie am Grüntag, aber leider ist das Foto davon versehentlich gelöscht worden. Die Schulkinder wählten sich in Partnerarbeit drei Dinge vom Gelb-Tisch und erzählten dazu eine kleine Quatsch-Geschichte.

 

Und damit auch der künstlerische Aspekt nicht zu kurz kommt, malten die Kinder analog zu van Gogh eine gelbe Sonnenblume. Die Bilder hingen lange im Schulhaus.

Im Juli, kurz bevor das Schuljahr zu Ende ging, kamen die Vorschulkinder zum letzten Mal als Besuch zu uns, bevor einige von ihnen dann unsere neuen Erstklässler wurden.

Am Bunt-Tag hatten wir alle noch einmal Spaß! Wir verspeisten die bunten mitgebrachten  Leckereien (vielen Dank, liebe Eltern!), freuten uns über die selbst gebastelten bunten Butterbrottüten-Blumen im Klassenzimmer und färbten Seifenblasen-Wasser bunt, um damit Pustebilder zu gestalten.

     

Auch dabei konnten wir Erwachsene feststellen, dass die Kinder eben ihren eigenen Kopf haben. Manche „malten“ mit ihren Seifenblasen schöne Seifenblasen-Bilder, manche hatten  aber einfach Freude am Seifenblasen-Pusten selbst oder am Rennen über den Schulhof.

Als Sylvia und ich am Ende Bilanz zogen, stellten wir fest:

Es war zum Teil ein Kraftakt gewesen, dieses Projekt unter den gegebenen, allgegenwärtigen Bedingungen zu realisieren: Personal-Mangel, Zeit-Mangel, Raum-Not, Geld-Mangel.

Und obwohl die Schul-Gruppe und die Kita-Gruppe sich (im Vergleich zu den sonst nur einmal jährlich stattfindenden Schnupper-Besuchen) oft gesehen haben, blieb eine gewisse Fremdheit zwischen den Kindern. Doch kennen wir das nicht selbst? Sich einmal wöchentlich zu sehen, ist eben wenig – erst recht in einem noch kurzen Kinderleben.

Beim Betrachten der Fotos erinnerten wir uns aber auch an all die vielen tollen, beeindruckenden Momente.

Wir hoffen, dass es unseren Kindern Spaß gemacht hat, die Welt der Farben ein wenig näher zu entdecken und dass sie auch sprachlich etwas dazu gelernt haben. Obwohl das vielleicht nicht messbar ist.

So bunt wie unsere Welt, so verschieden sind auch die Kinder.

Miteinander etwas zu tun, ist der beste Weg, sich näher zu kommen.

Und dabei hat uns das BiSS-Projekt geholfen!