Und plötzlich sitzt die Klasse 5g mittendrin, im Großen Saal des Konzerthauses am Gendarmenmarkt, „live“ und lauscht der letzten Probe des Orchesters vor dem Auftritt. Haydns Sinfonie 44, in e-Moll, die „Trauersinfonie“ erfüllt den prunkvollen Raum mit 1500 Sitzplätzen. Alle Anwesenden lassen die Blicke schweifen und erfreuen sich am weiß-goldenen Dekor. Zwischen Blattgold und Säulen erleben die Kinder hautnah die Welt der Musiker. Der Große Saal gehört akustisch zu den besten symphonischen Konzertsälen der Welt! Blickfang ist die große Orgel mit 76 Registern und insgesamt 5.811 Pfeifen. Aber auch die vielen prächtigen Leuchter, die mit jeweils 48 Glühbirnen bestückt sind, faszinieren. Von großer Trauer ist gar nicht viel zu spüren. Die Kinder erkennen in den vier Sätzen das Eröffnungsmotiv wieder und viele wiegen sich intuitiv im jeweiligen Rhythmus auf ihrem Konzertstuhl hin und her. Der Titel „Trauersinfonie“ stammt übrigens gar nicht von Haydn, sondern geht auf dessen Wunsch zurück, dass bei seinem Begräbnis der 3. Satz, das „Adagio“, gespielt werden soll. Inhaltlich wurden die Kinder, nach einer offiziellen Begrüßung, im Kleinen Saal durch Dr. Adriana Portenu und Christine Mellich sehr lebhaft und lebendig mit Violine und Bildern auf das Werk und den Komponisten eingestimmt. Im Anschluss an die Probe, gab es dann noch ein kleines Nachgespräch, in dem alle Kinderfragen geduldig beantwortet wurden. Das schwer zu spielende „Fagott“ wurde in diesem Rahmen von einem Musiker den Kindern vorgestellt. Ursprünglich war das Konzerthaus ein Theater. Errichtet wurde es auf Wunsch Friedrich des Großen im 18.Jahrhundert als Französisches Komödienhaus. Nach einem Brand wurde das Schauspielhaus 1821 von Berlins berühmtesten Architekten Karl Friedrich Schinkel erneuert. Als das Konzerthaus noch ein Schauspielhaus war, gehörte der Eckplatz Nr. 23 im Parkett dem Schriftsteller Theodor Fontane, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt. Zu beiden Seiten der großen Freitreppe vor der Hauptfassade des Konzerthauses, auf der wir später unsere Erinnerungsfotos geschossen haben, stehen zwei Bronze-Statuen, die die Macht der Musik symbolisieren: Löwe und Panther tragen musizierende Figuren auf ihren Rücken. Ohne den großen Einsatz und das Engagement von Christine Mellich wären wir nie in den Genuss dieses attraktiven Vormittags gekommen. An dieser Stelle möchten wir ihr und auch Frau Annette Thoma noch einmal ganz herzlich für alles danken. Nach unserem Konzerthausbesuch schauten wir auch noch ganz kurz in den Deutschen Dom herein. Der Französische Dom war leider geschlossen.

(von: Siegrun Boiger)